Ozeanische Bibliothek 1984

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Blumen wachsen in den Himmel von Hellmuth Lange ist für mich die stärkste Vision von diesen drei Büchern.  Irgendwo, auf einem Planeten, der Erde ähnlich, leben ein paar hundert Menschen. In Schutzanzügen, schon seit ihrer Geburt. Denn die Sonne ist erloschen – und mit ihr alles Tier- und Pflanzenleben. Körperlichen Kontakt kennen sie nicht. Die Überlebenden wohnen in kargen Höhlen oder alten Häusern. Einzige Freizeitbeschäftigung: Aus Mineralien Nahrung herstellen und den Vulkan anschauen, in dem die letzte Glut des Erdkerns glimmt. Es ist immer dunkel, die Menschen müssen auf die Stimmen achten. Ein Forscher verkündet, er wolle das (Atomenergie) Feuer der Erde entfachen, damit es warm wird. Ein Priester warnt mit Visionen davor. Intelligenz allein sei die Wurzel allen Übels. Erfindungen müssen langsam über die Menschen kommen. Das Feuer wird entfacht, die Menschen entkleiden sich, und sind zu Tode erschrocken: Nackt, ohne Hülle, und vor allem mit dem menschlichen Gesicht kommt keiner klar. Sie ertragen es nicht, bekommen Angst vor der Zukunft. Sie fallen übereinander her. Keiner ist mehr da, der das atomare Feuer kontrolliert, welches sich über den gesamten Planeten ausbreitet und alles Leben vernichtet. Der letzte Überlebende wird von Feuer umzingelt und flüchtet in das immer heisser werdende Wasser.

Tötet Ihn von Winfried Bruckner spielt im zukünftigen Wien. Alle leben unterirdisch, durch Atomkriege. Jeder beobachtet jeden, verpfeift ihn oder sie bei der Staatsmacht, Gefängnisse sind Zoos, Kinder bespitzeln ihre Eltern. Eine Frau soll einen Oppositionellen umbringen: Einen Arzt mit Gewissen. Doch sie kann dem Auftrag nicht folge leisten, als sie sieht, was einen echten Arzt ausmacht: Ethik und Moral, Achtung vor dem Leben. Beide werden von Spezialeinheiten verfolgt. Während dessen gibt es andere Menschen, die sich zu Tode stürzen, durch gewagte Akrobatik. Beide werden erwischt, sollen gekreuzigt werden, doch da beginnt die Revolution, und ein blindes Pferd – dass sich als Symbol zu Tode stürzen soll,  ist weit oben Zeuge.

Das Ultimatium, von Mordecai Roshwald: Ohne Ahnung wird ein “Knopfdruckoffizier” über einen Kilometer unter die Erdoberfläche befördert, wo er und viele andere Menschen auf 7 Ebenen leben. Es gibt keine Rückkehr nach oben. Das wird ihnen von einem anonymen Lautsprecher mitgeteilt. Auch die Aussicht auf Heiraten, Berichte über die anderen Ebenen, usw…  Anfangs ist das noch interessant für den Offizier, doch er kommt ins Grübeln. Er und sein Kollege sind Herr über alle Wasserstoff- und Atombomben der USA. Sein Kollege packt die Einsamkeit und Aussichtslosigkeit nicht. Die behandelnde Psychologin will den Knopfdruckoffizier heiraten. Er liebt sie nie wirklich. Es kommt zum globalen thermonuklearen Krieg. Die paar Menschen auf der russischen, amerikanischen und europäischen Seite liefern sich per Funk verbale Auseinandersetzungen, aus ihren Bunkern. Am Ende sehen sie zwar ihre Fehler ein, aber die Folgen des zwei stündigen Kriegs fressen sich schon in Form von Radioaktivität und Krankheiten zu ihnen hinunter, und töten schliesslich alle. Es gibt keine Überlebenden auf der gesamten Erde. Der Nobelpreisträger Linus Pauling hat diesen Roman gelobt. Er selbst hatte die Toten durch die Atomtests auf der Erde errechnet: Der Fallout der Atom- und Wasserstoffbombentests von 1958 erzeugte 15.000 Kinder mit starken Behinderungen in einem Jahr. 38.000 Kinder wurden tot geboren. 90.000 starben in ihren Müttern. http://books.google.de/books?id=2QduA19d_X8C&pg=PA1310&dq=Linus+Pauling:+Biomolecular+sciences+90,000&hl=de&ei=tXlGTuMWg8PxA4rQscoG&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CDEQ6AEwAA#v=onepage&q&f=false

 

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Auf Wiedersehen Kenji Eno

Sehr geehrter Hr. Eno 飯野賢,

Sie sind ein Spieledesigner, der mich in den 90ern schon stark interessierte. Es waren insgesamt wenige Spiele, aber alles hausgemacht. Echtes Independent. Sie imponierten mir mit dem Spiel “Real Sound”.  Für Saturn und Dreamcast. Anleitung in Blindenschrift, Gameplay = Töne, Vocals & echte Blumensamen. DAS ist innovativ, DAS ist ewig. Das ist ECHT & sinnvoll und KONSEQUENT.

Kein Spiel reicht in unserer Goodfeeling Touchscreen Bambiwelt da heran. An ihr Werk, Hr. Eno. Als sie starben, war das wie der Tod von Stanislaw Lem oder Ray Bradbury. Auch von ihnen hatte man noch nicht alles gesehen. Aber ich hatte das Gefühl, dass sie das worauf sie hinauswollten, erreicht hatten. In Echtzeit. Echt. Und ihre Spiele waren irgendwie unterschwellig morbid. Wie die Traumbilder von Van Triers Antichrist. Das ist INDIVIDUELL. Aussergewöhnlich war auch der Werdegang eines ihrer Spiele: D2. Oder ihr Auftritt am Klavier, vor Journalisten, mit einem Regen aus Kirschblüten. Oder als Sie ein PlayStation Logo in ein Saturnlogo verwandeln ließen, und damit SONY schockierten.

Tja, nichts von alldem wird so wieder geschehen. Nicht weil Sie es jetzt nicht mehr machen, nein, weil andere Spieledesigner nur Kosmetik betreiben, ohne irgend etwas markantes. Sie, Hr. Eno, befanden sich im Wiederspruch zu ihrer Zeit Hr. Eno. Sie standen da, und sagten “Nein”. Und machten, schafften, kreierten. Das war und ist ihr Werk für mich. Ein paar Tage nach den Fukushima Explosionen fragte ich Sie, ob es ihnen gut geht – per Mail – Sie antworteten mit Ja, JETZT gehe es ihnen gut. Sie wandten sichw ieder der Musik zu. Ich habe es verfolgt. Nun, auf Wiedersehen Hr. Eno.

Kenji Eno dies at 42: http://www.3do.cdinteractive.co.uk/viewtopic.php?t=2997&sid=76c59cce0a580c8e88b4a42cd6a39c27

Quadratisches Haus mit Balkon

Habe kurz von meinem Bett nach draußen gesehen: Ein Haus. Man kann raus gehen, aus dem Haus. Auf eine periphere Plattform / begrenzt. Von dort auf Wälder sehen, über der Silhouette der umgebenden 3D-Tetrisblöcke-Stadt, mit ihren Balkonen. Weitergehen, in Richtung Wald – unmöglich durch Begrenzung -> Sturzgefahr, erst neulich auf RTL. Den Balkon verlassen, das Gefühl, in Richtung Wald zu gehen verlässt einen. Die Haustür auf, der Müllwagen, ein junger Mann mit Rucksack und in der Ferne der Krankenwagen. Die Haustür zu: Die Treppe führt zum Balkon. Von dort aus kann man den Wald sehen, in dessen Richtung man gerne gehen möchte. Vielleicht morgen, übermorgen.

Jan Hemmer

Im Namen des…!

“Warum haben sie geschossen, Angeklagter?”

“Weil es ein Befehl war.”

“Nun gut, weil es ein Befahl war.  Aber im Befehl war nicht ausdrücklich
enthalten, dem anderen zu erschiessen. Sie hätten ihn auch ins Bein schießen können.”

“Aber dann hätte er vielleicht mich erschossen!”

“Ja, ja, das ist nur Spekulation, Angeklagter.”

“… ich muss doch bitten, wir befanden uns im Krieg, und…”

“Das tut doch nichts zur Sache. Sie haben den anderen Soldaten erschossen, weil sie den Befehl zum
Schießen erhielten, dieser aber nicht ausdrücklich die Erschießung enthielt. Oder wollen sie dem Befehlshabenden arglistige Täuschung unterstellen? Hohes Gericht, es steht an zu entscheiden, ob es in einem Krieg nötig ist, einen Feind zu erschießen, wenn der Befehl zum Schießen erteilt wird; oder ob es reicht, den Feind nur anzuschießen. In dem Fall muss auch geklärt werden, ob der Feind, wenn er nur angeschossen würde, den Angeklagten erschossen, oder nur angeschossen hätte.”

Nach zweistündiger Beratung.

“Das Hohe Gericht hat beraten, und kommt zu dem Schluss, Atomwaffen einzusetzen. Grund hierfür ist die Humanisierung des Krieges.”

Jan Hemmer

Tomorrow’s Newspaper

Tomorrow’s Newspaper ist mein 32 Min. langer Film. Der Kunstfilm hat keinerlei O-Ton. Der Sound besteht aus eingespielter, die Handlung tragender englischer Sprache, sowie einen Soundtrack, komponiert von Michael Wolf.
Tomorrow’s Newspaper entstand im Juli 2008, in einem Bunker des Amtes für Liegenschaften, in Stuttgart.

Lange Einstellungen, Isolation und ein steriles, fast aseptisches Milleu prägen Zuschauer und auch Darsteller. Keine Lippenbewegungen, keine verbale Kommunikation. Verboten oder Stilmittel – nur eine der Fragen mit welcher der Zuschauer konfroniert wird. Der Hauptdarsteller, anscheinend ein Notfallpatient, befindet sich in einem Zustand des Wartens und Forschens, sowohl was die näheren Umstände seiner Situation angeht, als auch
die verschiedenen Personen, welche er im Verlauf des Films trifft.

Symbole erscheinen auf Objekten und Wänden, welche den Zuschauer veranlassen, an dieser Odysee aktiv teilzunehmen: Haben sie eine Bedeutung? Allmählich wird dem Hauptdarsteller seine Lage bewusst und er ahnt vage deren Ausgang. Tomorrow’s Newspaper orientiert sich grob an dem Film “Crimes of the Future“ von David Cronenberg und dem Buch “Mikkai“ von Kobo Abe. Einer der Unterschiede besteht jedoch in
der Verwendung von CGI 3D Effekten; von Viren und DNS Strängen (TKX), welche dem Film zusätzlich eine klinische Atmosphäre verleihen.

Die Aufführung in einem Kino bietet kein geeignetes Ambiente für eine Diskussion, Auseinandersetzung oder Lesung. Daher ist das primäre Ziel für die Premiere von Tomorrow’s Newspaper, eine geeignete Galerie zu finden. Hierzu wäre eine Leinwand, Beamer und geeignete Soundanlage wichtig, wie auch ein Raum mit genügend Sitz- und Stehplätzen. Der Musiker Michael Wolf (Dipl. Biologe) schrieb über die Entstehung des Filmes und dessen
Vertonung folgendes:
Im Allgemeinen wurde für die Komposition eine eher minimalistische Form gesucht. Anlehnungen an die frühe elektronische Experimentalmusik mit analogen Synthesizern sind beabsichtigt. Melodien treten nur wenige auf. Die Atmosphäre wird vor allem durch Soundsamples und elektronisch generierte Geräusche erzeugt: Der Film beginnt mit der Dunkelheit und Verlorenheit in den Gängen des Bunkers. Um diese Stimmung zu
unterstreichen, wählte ich einen dunklen, rhythmischen Klang. Die Verlorenheit wird durch das einsetzende Thema verstärkt: Seine schwankende Tonhöhe, der Verzicht auf eine exakte Rhythmik und weitere Begleitinstrumente. Der Eintritt in den Bunker erfolgt unter beklemmenden Bedingungen. Gesichtslose Personen, ihrer Individualität beraubt, fertigen den Initianden ab: Das “System” hat ein neues Mitglied.

Sonifikation war auch Ausgangspunkt für die Laborszene, dessen “Thema” für die end credits wiederholt wird. Die Primärsequenz des Matrixproteins VP40 des Ebola-Virus diente zur Generierung und Modulation der Tonfolge. Das führt dazu, dass ihr die Eigenschaft einer Melodie fehlt, die ihr eine (emotionale) Bedeutung gibt, nämlich die Einheit, als welche wir “Melodien” zu erkennen pflegen, die “Musikalische Gestalt”. Also wirkt das Thema trotz seiner Pentatonik fremd und unpersönlich.

Danke fürs Vorbeischauen- und Hören,

Jan Hemmer

SKYRIM 250 Stunden

in 15 Minuten zusammegefasst.

das hat gedauert.

Morning is Dead

Ich fand wieder Zeit für ein kleines Buch, aus dem Bereich der Bizarro Fiction. Muss aber gleich weiter zu meinem anderen Blog. Aber was solls:

“Alvin” verheimlicht seiner Frau “April”, dass er seinen Job bei “the Point” verloren hat. Stattdessen gibt er sich alkoholischen Gelüsten und ziellosen Fahrten durch das Downtown hin. Während so die Handlung begonnen wird, findet eine Parallelhandlung statt. In dieser harrt April neben dem schwer verwundeten, durch Maschinen am Leben erhaltenen Alvin aus, in einem Krankenhaus bei Nacht. Anfangs noch zusammen mit ihrer Freunding “Mirabell”.

Die Handlung schaltet zwischendurch immer wieder in die andere Parallelwelt, genauer “in die Nacht”. Dort schliesst sich Alvin aus Versehen aus seinem Haus aus, beobachtet, wie ein Schütze ein Kaninchen auf seinem Garten erlegt und dessen Blut trinkt. Er sieht einen Mann, der ihm ähnelt, in seinem eigenen Haus. Er will einbrechen, wird daraufhin von einem Polizist namens “Fuckpants” fest genommen, der ihn in einer surrealen brutalen Fahrt ins Revier bringt. Vorher sieht er noch Leute, die Gasmasken tragen, auf dem Dach seines Hauses Kabel verlegen. Laut Fuckpants bereiten diese die Sprengung des Hauses vor.

Die Fahrt wird von Blenden ins Krankenhaus unterbrochen, in welcher die Beziehung zwischen ihm und April erklärt wird. Zurück in der Nacht berichtet der heruntergekommene Cop, dass sich Alvin in der Nacht befinde, und dass sich radioaktive Zombies überall tummeln, und Leute befallen. Prompt überfährt er einen solchen. Auf dem Rücksitz liegt ein Cop des Tages und schläft. Er ist ausser Dienst.

Im Revier angekommen, entpuppt sich dieses als ein Bordell voller Sex und Gewalt. Alvin wird von einem grauenvollen Wesen zusammengeschlagen, “re-processed”. Danach sperrt ihn Officer “Bitch Hole” in eine Zelle, wo ein notgeiler Insasse wartet. Ein weiterer Zellennachbar namens “Benjamin” klärt ihn auf: Der Morgen ist tot.

Die Nacht ist allgegenwärtig. Im Re-processing würden Menschen zurück prozessiert werden, weiter in die Nacht hinein. Anscheinend qualvoll und tödlich. Er könne versuchen auszubrechen, indem er sich selbst verletzt und so die Aufmerksamkeit der Polizisten auf sich lenkt. Das gelingt Alvin, wobei Officer “Assclown” ihn fast erschießt. Im gestohlenen Polizeiauto macht er sich auf den Weg nach Hause. Der zweite Alvin, sein Doppelgänger, hindert ihm am Betreten. Gegen die Vorbereitung zur Sprengung lässt sich nichts machen.

Radioaktive “Rades” verfolgen ihm, doch ein Mann namens “Schütze / Archer” rettet ihn. Beide machen sich auf den Weg zu dessen Heim. Sie treffen auf einen Mann, der pausenlos seine Frau ruft. Alvin kommt dahinter, dass sich überall Schlafende des Tages befinden. Beim Schützen daheim offenbart diese Alvin seinen Plan “the Point” in die Luft zu sprengen. Zudem bunkert er massenweise Rades bei sich zuhause. Ihre Haut verkauft er an “the Point” oder baut Sprengstoff daraus. The Point macht aus der Haut abgetriebener Föten Doppelgänger, wie Alvin 2, sogenannte “Simulacrums”.

Das wird Alvin zuwider, er flieht, beide kämpfen, er schlägt den Schützen nieder, und geht wieder zu seinem Haus, wo eine junge Frau namens “May” ihn zum Sex überreden will. Sie möchte den Fötus abtreiben und an the Point verkaufen. In der Krankenhauswelt spricht April davon, dass Alvin sie betrogen habe, und folgerichtig sie ihn, mit einem Mann namens “Morning”.

Alvin verspricht May Sex mit ihr zu haben, erkundet aber vorher noch die Stadt. Die Abtreibungsklinik ist wie ein Drive-In aufgebaut. Die Schlafenden beginnen zu rosten. Er schläft mit May, diese nennt ihm eine Adresse, danach tötet der Schütze May, er setzt den Schützen ausser Gefecht. Er trifft wieder auf Benjamin. Alvins Haus steht kurz vor der Sprengung. Benjamin und Alvin fahren wieder in die Polizeistation, wo Benjamin ihn verrät, aber Alvin ihn tötet. Ben metzelt vorher die gesamte Wache nieder. In dieser Zeit verhört ein Komissar April, erzählt ihr, dass Alvin vermutlich die gesamte Polizeiwache ermordet hätte, zusammen mit einem Mann namens “Trippin” und “Strange”.

Zur gleichen Zeit steigt der stark verwundete Schütze zu Alvin in das Polizeiauto – beide fahren zu the Point. Dort ist alles verrostet, Berge von Föten stapeln sich. Alvin schnappt sich einen lebenden, sein Kind, will damit zu April. Der Schütze sprengt alles in die Luft, und April ermordet Alvin, geht danach aufs Dach des Krankenhauses, während es langsam Tag wird.

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