Tomorrow’s Newspaper ist mein 32 Min. langer Film. Der Kunstfilm hat keinerlei O-Ton. Der Sound besteht aus eingespielter, die Handlung tragender englischer Sprache, sowie einen Soundtrack, komponiert von Michael Wolf.
Tomorrow’s Newspaper entstand im Juli 2008, in einem Bunker des Amtes für Liegenschaften, in Stuttgart.
Lange Einstellungen, Isolation und ein steriles, fast aseptisches Milleu prägen Zuschauer und auch Darsteller. Keine Lippenbewegungen, keine verbale Kommunikation. Verboten oder Stilmittel – nur eine der Fragen mit welcher der Zuschauer konfroniert wird. Der Hauptdarsteller, anscheinend ein Notfallpatient, befindet sich in einem Zustand des Wartens und Forschens, sowohl was die näheren Umstände seiner Situation angeht, als auch
die verschiedenen Personen, welche er im Verlauf des Films trifft.
Symbole erscheinen auf Objekten und Wänden, welche den Zuschauer veranlassen, an dieser Odysee aktiv teilzunehmen: Haben sie eine Bedeutung? Allmählich wird dem Hauptdarsteller seine Lage bewusst und er ahnt vage deren Ausgang. Tomorrow’s Newspaper orientiert sich grob an dem Film “Crimes of the Future“ von David Cronenberg und dem Buch “Mikkai“ von Kobo Abe. Einer der Unterschiede besteht jedoch in
der Verwendung von CGI 3D Effekten; von Viren und DNS Strängen (TKX), welche dem Film zusätzlich eine klinische Atmosphäre verleihen.
Die Aufführung in einem Kino bietet kein geeignetes Ambiente für eine Diskussion, Auseinandersetzung oder Lesung. Daher ist das primäre Ziel für die Premiere von Tomorrow’s Newspaper, eine geeignete Galerie zu finden. Hierzu wäre eine Leinwand, Beamer und geeignete Soundanlage wichtig, wie auch ein Raum mit genügend Sitz- und Stehplätzen. Der Musiker Michael Wolf (Dipl. Biologe) schrieb über die Entstehung des Filmes und dessen
Vertonung folgendes:
Im Allgemeinen wurde für die Komposition eine eher minimalistische Form gesucht. Anlehnungen an die frühe elektronische Experimentalmusik mit analogen Synthesizern sind beabsichtigt. Melodien treten nur wenige auf. Die Atmosphäre wird vor allem durch Soundsamples und elektronisch generierte Geräusche erzeugt: Der Film beginnt mit der Dunkelheit und Verlorenheit in den Gängen des Bunkers. Um diese Stimmung zu
unterstreichen, wählte ich einen dunklen, rhythmischen Klang. Die Verlorenheit wird durch das einsetzende Thema verstärkt: Seine schwankende Tonhöhe, der Verzicht auf eine exakte Rhythmik und weitere Begleitinstrumente. Der Eintritt in den Bunker erfolgt unter beklemmenden Bedingungen. Gesichtslose Personen, ihrer Individualität beraubt, fertigen den Initianden ab: Das “System” hat ein neues Mitglied.
Sonifikation war auch Ausgangspunkt für die Laborszene, dessen “Thema” für die end credits wiederholt wird. Die Primärsequenz des Matrixproteins VP40 des Ebola-Virus diente zur Generierung und Modulation der Tonfolge. Das führt dazu, dass ihr die Eigenschaft einer Melodie fehlt, die ihr eine (emotionale) Bedeutung gibt, nämlich die Einheit, als welche wir “Melodien” zu erkennen pflegen, die “Musikalische Gestalt”. Also wirkt das Thema trotz seiner Pentatonik fremd und unpersönlich.
Danke fürs Vorbeischauen- und Hören,
Jan Hemmer






